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WalterBauerPowerPainting

Walter Bauers
Kuscheltiere in Öl

Jetzt malt Walter Bauer also Kuscheltiere –
von A bis Z, so exzessiv, wie der „Powerpainter“ nun mal malt. Affen, Bären, Comicfiguren, Drachen, Enten, Fabelwesen. . . Zebras, das ABC der Kuscheltiere.

Ach Gott, wie niedlich...? Wirklich? Wer sich zum Beispiel Walter Bauers Lieblings-Kuscheltier anschaut, den „Waldi“, der sieht da einen herzzerreißend todtraurig dreinblickenden Dackel voller Wunden und Narben. Logisch: Wir sind als Kinder nicht zimperlich umgegangen mit unseren Kuscheltieren. Haben sie geliebt, gewiss. Aber auch malträtiert, wenn wir wütend waren und zornig. Und das sind Kinder bekanntlich oft. Nur kurz meistens, dann aber heftig. Zum Fußaufstampfen zornig. Da kriegte der Teddy dann schon mal eins auf die Fresse. Oder wir feuerten den Dackel mit aller Wucht ins Eck.

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Wie gut, dass wir da unsere Kuscheltiere hatten. Und unsere Wut nicht an Menschen ausließen. So, wie wir das dann zu oft machten und machen, als wir erwachsen wurden (und sind). Da werden Freunde zum Prellbock oder Kollegen, die Frau oder der Partner, die Tochter oder der Vater. Sie müssen herhalten, wenn wir mit uns selbst nicht klarkommen. Unser Teddybär, den wir als Kind in solchen Fällen eben gegen den Schrank schlugen, der hielt das besser aus, der steckte das weg – er brummte höchstens so, wie er eben immer brummte, wenn man ihn umkippte.

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Kuscheltiere sind ein Stück Frieden. Weil sie Aggressionen ablenken, abhalten von Menschen. Und weil sie unseren Kinderzorn dann so schnell wieder wegzauberten, wie er über uns gekommen ist. Dann waren sie da, zum Streicheln und zum Drücken und zum Spielen und zum Einschlafen. Sie waren da, sie gehörten dazu, sie beruhigten uns, sie linderten Schmerz und ließen uns wieder lachen.

Unsere Bären, Löwen, Dackel oder Tiger – sie waren Entspannungspolitik. Vielleicht sollten wir den Staatenlenkern und Kriegsherren dieser „Welt aus den Fugen“ ihre Lieblings-Stofftiere zurückgeben, zum Schmusen und auch zum Austoben, zum Ausleben ihrer Ängste und Aggressionen. Wer Walter Bauers gemalte Kuscheltiere sieht mit ihren Lebensspuren, mit ihren traurigen Augen (sofern noch vorhanden) und halb abgerissenen Armen, der spürt, wie wichtig sie waren für unser Seelenleben: als Trostspender und Trostpflaster, als Beruhigungsmittel und als der gute Freund, der immer da war.

Walter Bauer malt nicht nur Kuscheltiere. Er malt Überlebensmittel.
Alexander Jungkunz

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